Deponie Wernsdorf: Öffnung nicht absehbar

Auf der Deponie Wernsdorf
(ao) Bereits zum zweiten Mal lud die Berliner Stadtreinigung (BSR) als Betreiber der stillgelegten Deponie Wernsdorf Interessierte zum Tag der offenen Tür auf das Gelände an der Verbindungsstraße zwischen Wernsdorf und Neu Zittau. Erneut überrascht zeigte sich BSR-Deponienchef Tjado Auhagen: "Es sind mit rund 130 Besuchern noch mehr gekommen, als im letzten Jahr. Das zeige die Notwendigkeit der Öffnung für Interessierte", sagte er zu Beginn der kurzen Einführung in den Räumen am Eingang des Geländes. 

Generelle Öffnung noch nicht absehbar
Als Fahrplan für die Zukunft sprach Auhagen von einem Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Demnach ist der Betreiber der Deponie verpflichtet die regelmäßig bis zu drei Meter stattfindende Absenkungen zu überwachen, anschließend erneut Abdichtungen aufzubringen und das Grundwasser zu kontrollieren. "Bei Problemen sind wir für die Beseitigung verantwortlich" ergänzte BSR-Projektleiter Dr. Detlef Krüger. Ob und wann es eine generelle Öffnung nach dem Beenden aller Bauphasen geben wird, ist noch unklar. "Hier sind mannigfaltige technische Anlagen vorhanden, die einer generellen Öffnung im Wege stehen", so Auhagen.

Starkes Gefälle

Die Art und Weise des damaligen Abladens von Abfällen sorgt heute für aufwendige Verfahren. So erzeugte der durchgeführte Kippkantenbetrieb, Müllfahrzeuge fuhren an den Rand, luden ab und eine Raupe verdichtete das Material, zu einer steilen Böschung von 18 Grad. Um nun dort dauerhaft bis zu 1,80 Meter starke Abdichtungsschichten aufbringen zu können, ist eine jahrelange Bautätigkeit notwendig. Zudem hat die Entdeckung eines römischen Baudenkmals mit anschließender archäologischer Begutachtung zu Verzögerungen im Ablauf geführt. 

Sattes Grün
Der anschließende Rundgang bis zur mit Schlacke belegten Kuppe war das Highlight. Bei zwar 18 Grad und etwas diesigem Wetter, war doch eine Weitsicht von rund 20 Kilometern zu genießen. Fernglashalter und Fotgrafierer entdecken immer wieder neue Erhebung am Hoizont um anschließend über deren geografische Lage zu philosophieren. Hausbesitzer suchten das Dach ihres Eigenheimes, dagegen genossen andere einfach im Gras sitzend die frische Luft. Immer wieder tauchten große Löcher mit einem Durchmesser von 10 Metern auf. Hier sind Überprüfungspunkte des Deponiebetreibers eingerichtet. Souveniere waren auch zu finden. So freute sich ein Besucher über einen platt gepressten Aluminiumlöffel. Auffällig: das üppige Grün. Rasen, Unkraut und sehr viele Kräuter gedeihen prächtig, obwohl niemals Bäume und Sträucher wachsen dürfen, um die Abdichtung nicht zu gefährden.

Methan bringt Geld in die BSR-Kasse

Dr. Krüger betonte, dass alle Arbeiten qualitätsgesichert durchgeführt werden. Unter anderem kontrolliere das Brandenburger Landesamt für Umweltschutz, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) die Tätigkeiten. Die Deponie Wernsdorf wurde im Jahr 2000 zuletzt mit Abfall beliefert. Aufgrund des Verbots von offenen Deponien, die keine Abdichtung nach unten besitzen, erfolgte 2005 die Stilllegung. Die BSR reichte 2007 den Bauantrag ein, erhielt 2008 die Plangenehmigung. Danach erfolgte die europaweite Ausschreibung der Arbeiten, bis 2009 die Tätigkeiten am ersten Bauabschnitt begannen. Neben der Oberflächenabdichtung wird ein Regenwasserableitsystem errichtet, da auf der Kippenfläche von rund 22 Hektar nichts mehr versickert. Innerhalb der Deponie entstehen aufgrund biologischer Abfälle Gase. Davon über die Hälfte als umweltschädliches Methan, neben Kohlendioxid und Stickstoff. Mit den Gasen wird auf dem Gelände Strom erzeugt, mit dessen Einnahmen gemäß Energie-Einspeisevergütungsgesetz die BSR einen Teil der Bauarbeiten finanziert.

Kritik gab es in der Vergangenheit
In vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik an der Baupraxis rund um die Mülldeponie. So hat bekanntermaßen der Berg keine Abdichtung nach unten. Somit kann das Grundwasser unter und vor allen Dingen durch einen Teil der Halde ungebremst in Richtung Wernsdorfer See strömen. Das bemängelten Anwohner in einer Informationsveranstaltung bereits 2009, zu Beginn der Baumaßnahmen. "Es nützt keine Abdichtung von oben, wenn das Wasser doch über den Umweg der Entwässerung durch den Müll fließe", so Rainer Stockfisch aus Gosen. Zudem soll die neu aufgebrachte Schlacke, als Teil der oberen neuen Schutzschicht, Sondermüll sein, sagte Stockfisch."Hier karrt man den Abfall der Müllverbrennungsanlage Berlin-Ruhleben nach Wernsdorf", fuhr Stockfisch fort. Die BSR entgegnete dazu, dass es sich bei den Rückständen aus Ruhleben um zugelassenen Baustoff handelt und somit auch zur Abdichtung einer Deponie Verwendung finden dürfe. "Es wird am Fuß der Deponie in Richtung Wernsdorfer See regelmäßig gemessen", sagte Dr. Krüger in der 2009er Veranstaltung. Weiterhin vermuten Anwohner hinter stetig steigenden Fälle von Krebstoten im Ortsteil Gosen, den früheren Genuss des zuvor durch die Deponie geflossenen Grundwassers mittels hauseigenen Wasserwerken. 



Blockheizkraftwerk auf der Deponie. Methan wird zu Strom der Geld verdient.

Zu Beginn der Veranstaltung. Rund 130 Menschen fanden den Weg zur Deponie.

Zum Genuss gehört der Aufstieg. Saftige Wiesen.

Das Schild stammt aus dem Jahre 1994. Sechs Jahre, bevor der letzte Müll kam.

Auf der Kuppe der Deponie. Gut zu sehen: die verteilte Schlacke auf dem Boden.

BSR Projektleiter Dr. Detlef Krüger im Gespräch.

Auch Bürgermeister Horst Buch war da. Im Hintergrund ein Teil seines Dorfes. Links der Wernsdorfer See.

Gräser, Kräuter und mehr. Naturkenner kamen auf ihre Kosten.

Im Hintergrund der Ortsteil Gosen der Gemeinde Gosen-Neu Zittau.

Mit diesen Geräten wird das austretende Methangas zur Stromerzeugung eingesammelt.

Die Müggelberge im Hintergrund.

Feldstecher, Fotoapparate und Arme waren gefragt.

Der Übergang zur noch mit Schlacke belegten Kuppe der Deponie Wernsdorf.

Der immer mehr verlandende Wernsdorfer See.





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